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Mahabharata

Dieses Thema im Forum "Religion & Spiritualität" wurde erstellt von anadi, 30. März 2014.

  1. anadi

    anadi Sehr aktives Mitglied

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    Mahabharat Buch 3.122

    Wie Chyavana seine Gattin Sukanya gewann

    Und Lomasa erzählte:
    Dem großen Heiligen Bhrigu ward einst ein Sohn namens Chyavana geboren. Dieser Strahlende mit der großen Energie begann am Ufer dieses Sees hier Askese zu üben. Er nahm die Vira Yoga-Haltung an und stand für lange, lange Zeit so still und ruhig am selben Ort wie ein Holzpfahl. Mit der Zeit bildete sich um ihn ein Ameisenhügel, den luftige Kletterpflanzen umrankten. Auch Scharen von Ameisen umhüllten ihn, so daß der scharfsinnige Weise bereits wie ein Erdhügel aussah. Doch er übte weiter seine Buße und harrte aus.

    So begab es sich, daß eines Tages König Saryati an den See kam, denn er wollte sich an dem angenehmen und malerischen Ort amüsieren. Mit ihm kamen seine viertausend Gemahlinnen und seine einzige Tochter, Sukanya mit den schönen Augen. Sie war mit Juwelen geschmückt, die einer Himmlischen würdig waren, und spazierte mit ihren Mägden umher, bis sie an den vermeintlichen Ameisenhügel kam. Hier betrachtete das Mädchen frohen Sinnes die schöne Landschaft und die hohen Bäume. Sie war sehr sinnlich und verlockend, jung und lieblich und immer zu ausgelassenem Spiel aufgelegt.

    , Zierlich brach sie blühende Äste aus dem Gebüsch, und ohne ihre Mägde wanderte sie nur mit leichter Kleidung einher. Bhrigus strahlender Sohn beobachtete die Reizende, die wie ein heller Lichtstrahl durch den einsamen Wald gaukelte, und sein Begehren war geweckt. Mit tiefer Stimme rief der asketische Rishi die Glücksverheißende, doch sie hörte ihn nicht. Sie entdeckte allerdings seine glühenden Augen in dem Ameisenhügel, und aus Neugier und Übermut rief sie: „Was ist das?“, und stocherte mit einem Stöckchen in die Augen des Asketen. Chyavana fühlte großen Schmerz und wurde zornig. Im ersten Zorn versagte er den Soldaten des Königs jeglichen Ruf der Natur. Und die Männer im Heer, welche sich nicht mehr entleeren konnten, litten große Qualen.

    Dem König blieb das nicht verborgen, und er fragte seine Männer:
    Oh, jemand muß den ruhmreichen Sohn des Bhrigu beleidigt haben. Er ist schon alt, hat ein zornvolles Gemüt und ist immer in Askese vertieft. Sagt mir schnell, wenn ihr etwas darüber wißt.

    Doch die Soldaten antworteten:
    Wir wissen nicht, ob jemand dem Rishi Übel getan hat. Wenn es dir beliebt, untersuche die Angelegenheit woanders.
    Da fragte der kluge König seine Freunde, doch aus sie wußten von nichts. Doch Sukanya bemerkte den Kummer ihres Vaters und auch die Leiden der Armee, und sie sprach zu ihrem Vater:
    Als ich im Walde umherstreifte, da blinkte in einem Ameisenhügel etwas Glänzendes auf. Ich dachte, es wäre ein Glühwürmchen und bohrte mit einem Stöckchen danach.

    Sofort begab sich da der König zum Ameisenhügel und sah Bhrigus Sohn, der sowohl reich an Jahren als auch an Askese war. Mit gefalteten Händen beugte sich der König vor dem Rishi und flehte:
    Oh bitte vergib, was meine Tochter aus Unwissenheit und Unerfahrenheit dir antat.

    Chyavana erwiderte dem Monarchen: Übermütig hat sie mich mißachtet und meine Augen verletzt. Die Unwissenheit hat sie zur Unvernunft verführt, und doch begehre ich die Schöne, deine Tochter, zur Braut. Ich sage dir aufrecht, nur unter dieser Bedingung werde ich vergeben.

    Da übergab der Monarch unverzüglich seine Tochter dem hochbeseelten Chyavana. Und als er ihre Hand in der seinen hielt, war der Asket besänftigt. Der König kehrte mit Gefolge und Heer in die Stadt zurück, und die makellose Sukanya versorgte ihren asketischen Ehemann, übte Buße und ehrte die Traditionen. Aufrichtig verehrte die Schöngesichtige ihren Gatten und kümmerte sich hervorragend um die Gäste und das heilige Feuer.
     
  2. anadi

    anadi Sehr aktives Mitglied

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    Mahabharat Buch 3.123

    Sukanya und die Aswin Zwillinge bekomment das Recht Soma Saft zu trinken

    Lomasa fuhr fort: Eines Tages geschah es, daß die himmlischen Aswin Zwillinge Sukanya gewahr wurden, als sie gerade unbekleidet badete. Beim Anblick dieser vorzüglichen Glieder, welche auch der Tochter des Herrn der Himmlischen gehören konnten, näherten sich die nüstergeborenen Aswins (Ihre Mutter hatte die Gestalt eines Pferdes angenommen, und die Zwillinge entsprangen ihren Nüstern.) und sprachen sie an:
    Oh du mit den runden Schenkeln, wessen Tochter bist du? Was machst du hier in den Wäldern? Oh du Glücksverheißende mit der zauberhaften Grazie, wir wünschen all dies zu erfahren, so sag es uns.

    Sie antwortete errötend: Wisset, ich bin Saryatis Tochter und Chyavanas Ehefrau.

    Da sprachen die Aswins lächelnd auf sie ein: Warum, oh Glückliche, hat dich dein Vater einem Mann gegeben, der dem Tode nahe ist? Du strahlst in diesem Wald wie ein Lichtstrahl. Nicht einmal in den Bereichen der Himmlischen haben unsere Augen ein Mädchen wie dich erblickt. Oh schönes Fräulein, du bist schon ohne Schmuck und bunte Kleider so schön, daß der Wald um dich herum erglänzt. Jetzt lebst du in Schmutz und Schlamm, du mit den makellosen Gliedern, doch du wärst noch viel schöner, wenn du mit allen Ornamenten geschmückt wärst und traumhafte Kleider trügest.

    Das stünde dir wohl. Doch warum, oh du liebliches Mädchen, dienst du auf so elende Weise einem altersschwachen Ehemann, der schon längst vergessen hat, was Vergnügen bedeutet und der kaum in der Lage ist, dich zu unterhalten, oh du mit dem leuchtenden Lächeln? Oh göttlich schöne Dame, verlaß deinen Gatten Chyavana und erwähle uns als deinen Gemahle. Es ziemt sich nicht für dich, deine Jugend fruchtlos zu verschwenden.

    Da erwiderte Sukanya den Himmlischen: Ich bin meinem Gatten zugetan. Hegt daran nur ja keinen Zweifel.

    Doch die beiden warben weiter um sie: Wir sind die himmlischen Ärzte und bedeutend. Wir werden deinen Gatten jung und anmutig machen. Dann wähle zwischen uns und ihm. Versprich uns, oh du Glücksverheißende, daß du deinen Gatten zu uns bringst.

    Sie stimmte zu, eilte zu Bhrigus Sohn und erzählte ihm alles. Chyavana war einverstanden, und sie gingen zum See und den Himmlischen zurück. Dort sprachen die Aswins zur Tochter des Königs: Möge dein Ehemann ins Wasser tauchen.

    Mit dem Gedanken an Schönheit tat Chyavana dies, und auch die Aswins versanken im See. Im nächsten Moment tauchten sie alle drei wieder auf und sahen vollkommen gleich aus. Sie waren jung, hatten angenehme Gesichtszüge und schöne Körper und trugen glänzende Ohrringe. Alle drei sprachen zu Sukanya:
    Nun wähle unter uns deinen Gefährten, oh Glückliche. An wem findest du Gefallen?

    Das Mädchen sann eine Weile nach, denn sie alle sahen sich so ähnlich. Doch dann erkannte sie ihren Ehemann Chyavana und wählte ihn.

    Nachdem Chyavana nun beneidenswerte Schönheit besaß und seine Gattin ihn wieder erwählt hatte, war er höchst erfreut und sprach mit großer Energie zu den Nüster-geborenen Himmlischen:
    Da ich alter Mann durch eure Hand Jugend, Schönheit und dieses vorzügliche Mädchen gewann, werde ich euch in Anwesenheit des Herrn der Himmlischen Soma Saft zu trinken geben. Ich sage euch die Wahrheit.

    Höchst entzückt stiegen die Aswins in den Himmel auf, und Chyavana und Sukanya verbrachten ihre Tage so glücklich wie die Himmlischen selbst.
     
  3. anadi

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    Mahabharat Buch 3.124

    Chyavana widersetzt sich Indra
    Die Schaffung des Dämons Mada


    Die Neuigkeit bezüglich Chyavanas Jugend verbreitete sich geschwind und erreichte auch König Saryati, welcher sich erfreut mit seinen Truppen auf den Weg in die Einsiedelei des Sohnes von Bhrigu machte. Dort sah er seine Tochter und ihren Gatten wie zwei himmlische Kinder, und seine Freude kannte keine Grenzen, als ob ein König die ganze Welt erobert hätte. Der Herrscher wurde vom Weisen mit allen Ehren empfangen, der König setzte sich neben den Asketen und begann ein angenehmes Gespräch von glücksverheißender Art.

    Der Sohn des Bhrigu sprach zum König in sanften Worten:
    Ich möchte eine religiöse Zeremonie leiten, welche nur du, oh König, durchführen kannst. Oh laß alles Nötige dazu bereitstellen.

    Saryati war entzückt und einverstanden. Und so gebot Saryati an einem glücksverheißenden Tag die Errichtung eines Opferschreins von hervorragender Art, welcher vorzüglich mit allen gewünschten Dingen ausgestattet war. Chyavana fungierte dabei als Opferpriester für den König. Und nun geschahen wunderbare Dinge an diesem Ort. Chyavana nahm etwas Soma Saft in der Absicht, ihn den Aswin Zwillingen anzubieten. Doch im gleichen Augenblick sprach Indra sein Verbot aus.

    Indra sprach: Beide Aswins haben meiner Meinung nach kein Recht auf ein Opfer an Soma Saft. Sie sind die Ärzte der Götter im Himmel, und diese Berufung verbietet ihnen den Rang von Soma Trinkern.

    Doch Chyavana erwiderte: Die beiden vollbringen große Taten, sie haben großartige Seelen und verfügen über ungewöhnliche Schönheit und Anmut. Oh Indra, sie haben mich in einen langlebigen Jüngling verwandelt, der einem Himmlischen gleicht. Warum sollten nur du und die anderen Himmlischen das Recht haben, den gewonnen Soma Saft zu trinken? Warum nicht die Aswins? Oh Herr der Götter, du großer Vernichter von Feinden, wisse, daß die Aswins dem Rang nach ebenfalls Götter sind.

    Doch Indra war nicht einverstanden: Diese beiden üben die heilende Kunst aus. Das macht sie zu Dienern. Sie nehmen Gestalten an, wie es ihnen beliebt, und verbringen viel Zeit unter den Sterblichen. Wie können sie auf gerechte Art Soma Saft fordern?

    So ging es hin und her zwischen Chyavana und Indra, bis der Sohn des Bhrigu einfach sein Opfer weiterführte, ohne die Worte Indras anzunehmen. Doch als er den Soma Saft nahm, um ihn den Aswins anzubieten, sprach Indra drohend:
    Wenn du deine Absicht in die Tat umsetzen willst, werde ich meinen schrecklichen Donnerkeil auf dich schleudern, der allen existierenden Waffen überlegen ist.

    Der Sohn des Bhrigu warf nur einen lächelnden Blick auf Indra, und fuhr mit dem Opfer fort. Da streckte Indra seinen Arm aus, um den Donner in gräßlicher Form zu schleudern, doch Chyavana lähmte ihn. Ungerührt sang Chyavana seine heiligen Hymnen, opferte dem Feuer und gab den Aswins Soma Saft. Doch aus seiner asketischen Energie kam ein zorniger Geist ins Dasein, ein riesiger Dämon namens Mada, der außerordentliche Stärke und Ausmaße besaß. Sein Körper konnte weder von Göttern noch Dämonen ermessen werden. Sein Maul war gräßlich, gähnend und mit scharfkantigen Zähnen. Ein Kiefer ruhte auf der Erde, der andere streckte sich gen Himmel.

    Er hatte vier Reißzähne, ein jeder hundert Yojanas lang. Die anderen Zähne waren zehn Yojanas lang, so stabil wie die Türme eines Palastes und so spitz wie das Ende eines Speeres. Seine beiden Arme waren massig wie Berge und tausend Yojanas lang. Die Augen glichen Sonne und Mond, und sein Antlitz sprach von der großen Feuersbrunst zur universalen Auflösung. Mit der Zunge leckte er sich beständig sein Maul, und kannte wie der Blitz keine Ruhe. Er sperrte das Maul auf, seine Blicke waren furchterregend, und es schien, als wolle er gewaltsam die ganze Welt verschlingen. Doch der Dämon lenkte seine Schritte zu Indra mit den hundert Opfern, denn gerade ihn wollte er verschlucken. Und die Welt hallte von dem lauten und schrecklichen Gebrüll des Dämonen wider.
     
  4. anadi

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    Mahabharat Buch 3.125

    Chyavana besänftigt

    Lomasa erzählte:
    Indra schaute auf den angreifenden Dämon wie auf den Tod selbst. Sein Arm war immer noch gelähmt, und er leckte sich aus Furcht die Mundwinkel. Dann wandte er sich ängstlich und gequält an Chyavana.

    Der Herr der Himmlischen bat: Oh Bhrigus Sohn, oh Brahmane, ich versichere dir wie die Wahrheit selbst, daß von heute an die beiden Aswins berechtigt sind, Soma Saft zu trinken. Sei mir gnädig! Deine Handlungen können niemals im Nichts vergehen. Möge dies die höchste Regel sein, oh Weiser der Priesterkaste. Die Aswins haben ein Recht auf Soma, weil du es ihnen verliehen hast. Ich habe nur so gehandelt, um deinen Ruhm zu vergrößern, oh Sohn des Bhrigu. Es war meine Absicht, dir eine Gelegenheit zu geben, deine Macht zu zeigen. Auch der Ruhm von Sukanyas Vater soll sich weit verbreiten. So bitte sei mir gnädig, denn es sei, wie du es wünschst.

    Schnell verflog da Chyavanas Zorn, und er ließ Indra frei. Mada jedoch (lit. Vergiftung), den er gerade hervorgebracht hatte, wurde von ihm Stück für Stück auf die Welt verteilt, und zwar in berauschende Getränke, Frauen, Spiele, Wetten und die Jagd. So zwang der Weise den Dämonen nieder, erfreute Indra mit Soma Saft, half König Saryati dabei, alle Götter nebst den Aswins zu ehren, und verbreitete seinen Ruhm in allen Welten. Dann verbrachte er seine Zeit glücklich mit seiner liebenden Gemahlin Sukanya im Wald.

    Tirthas in der Umgebung

    Dies ist der glänzende See, oh König, um den die Rufe der Vögel schallen. Opfere mit deinen Brüdern sein Wasser den Ahnen und Göttern. Und wenn wir dann auch Sikataksha besucht haben, sollten wir weiter zum Saindhava Wald pilgern. Dort gibt es eine Vielzahl künstlicher Wasserkanäle. Berühre die Wasser aller heiligen Seen, oh Bharata, rezitiere die Hymnen des Gottes Sthanu (Shiva) und sei erfolgreich in all deinen Unternehmungen. Denn dies, oh Lobenswerter aller Menschen, ist der Übergang zwischen den zwei Zeitaltern Dwapara und Treta (im Laufe der Pilgerreise), und damit die Zeit, die von allen Sünden befreien kann.

    Führe deine Waschungen aus, denn hier können die Sünden eines Individuums bereinigt werden. Dort drüben ist der Archika Berg, ein Wohnort für Menschen mit kultiviertem Geist. Hier wachsen die Früchte aller Jahreszeiten und die Ströme reißen nicht ab. Es ist ein hervorragender Ort, wie für Himmlische gemacht. Dort sind die heiligen Steinhügel in unterschiedlichen Formen, welche die Himmlischen auftürmten.

    Oh Yudhishthira, hier ist auch der Badeplatz des Mondgottes. Die Heiligen sind hier allseits dienstbereit. Es sind die vielen Waldbewohner, Valakhilyas und Pavakas, die nur von Luft leben. Hier gibt es drei Gipfel und drei Quellen. Umschreite sie eine nach der anderen, und bade mit Vergnügen. An diesem Ort haben Shantanu und Sunaka, diese menschlichen Herrscher, so wie Nara und Narayana (Arjuna und Krishna) ihre ewigwährenden Bereiche erlangt. Hier streckten sich die Götter auf dem Boden aus, auch die Ahnen und die mächtigen Weisen. Hier ertrugen sie alle asketische Entbehrungen. Hier kochten und aßen die Weisen Milch und Reis. Opfere ihnen, oh Yudhishthir!

    Und dort ist die Yamuna mit ihrer unerschöpflichen Quelle, an der Krishna Buße übte. Deine Zwillingsbrüder, Bhimasena, Draupadi und wir allen werden dich dorthin begleiten, oh du, der du die toten Körper deiner Feinde trägst. Das ist die heilige Quelle, welche Indra gehört. Hier erhoben sich die schöpfende und die zerstörende Gottheit wie auch Varuna. Hier lebten sie und übten Vergebung mit höchstem Vertrauen.

    Dieser vorzügliche und vorteilhafte Berg paßt gut zu Menschen mit einer freundlichen, aufrechten und offenherzigen Gesinnung. Schau die gefeierte Yamuna, oh König, wie sie von Scharen mächtiger Heiliger aufgesucht wird. Die Szene zeigt alle möglichen religiösen Riten, ist heilig und vernichtet Angst und Sünde. Hier opferte Mandhata mit dem mächtigen Bogen den Göttern. Auch Somaka tat dies, welcher der Sohn Sahadevas war und ein großzügiger Wohltäter.
     
  5. anadi

    anadi Sehr aktives Mitglied

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    Mandhata

    Yudhishthira fragte: Oh großer Brahmane, wie wurde dieser Tiger unter den Königen, Mandhata, Sohn von Yuvanasva, geboren, dieser beste und in allen drei Welten gefeierte Monarch? Wie gelangte der unermeßlich Strahlende auf den Gipfel seiner Macht, so daß alle drei Welten ebenso unter seiner Herrschaft waren wie unter der von Vishnu mit der mächtigen Seele? Oh erzähl mir alles über das Leben und die Errungenschaften dieses scharfsinnigen Monarchen. Woher stammt der Name Mandhata? Er übertraf Indra an Glanz und kannte keinen Ebenbürtigen an Kraft. Oh erzähl mir alles, denn du bist geübt in der Kunst des Erzählens.

    Lomasa antwortete: Höre aufmerksam zu, oh König, wie der Name Mandhata, der diesem mächtigen Monarchen mit der großen Seele gehörte, in den drei Welten zu Ruhm gelangte. Yuvanasva (Saudyumni) aus dem Geschlecht des Ikshvaku (Sohn des Vaivasvata Manu - Vater der Menscheit - zu seinem Zeit = 1/14 von einem Tag Brahmaas) regierte die Erde. Er führte viele Opfer durch, die durch große Gaben gekennzeichnet waren. Tausendmal führte er das Pferdeopfer durch und zahllose andere Opfer von höchstem Range, und immer gab es reiche Gaben.

    Und doch hatte der Monarch keinen Sohn. So übergab der König mit der mächtigen Seele und den strengen Gelübden seinen Ministern die Staatsgeschäfte und wurde zum beständigen Bewohner des Waldes (und lebte wie der Brauch am Ende des Lebens war, in Zurückgezogenheit). Mit gezügelter Seele beschäftigte er sich von nun an mit den sakralen Geboten. Und es geschah einmal, als der Beschützer der Menschen gerade fastete, daß er, die Gedärme schmerzend von Hunger und bis ins Innerste ausgedörrt vom Durst, die Einsiedelei des Sohnes von Bhrigu betrat.

    Doch in der Nacht zuvor hatte der große Heilige in der Einsiedelei eine religiöse Zeremonie begonnen, welche einen Sohn für den König zum Ziel hatte. Es stand dafür ein großer Krug mit Wasser bereit, welches mit heiligen Hymnen geweiht worden war. Das Wasser trug die Kraft in sich, daß, wenn die Königin es trank, sie einen göttergleichen Sohn zur Welt bringen würde. Die mächtigen Weisen der Einsiedelei hatten den Krug auf den Altar gestellt und waren schlafen gegangen, denn die Nachtwache hatte sie ermüdet. Yuvanasva kam nun dort an, den Mund trocken und vor Durst ganz schwach.

    Ihn dürstete so sehr, er war kraftlos und mit leiser Stimme bat er um Wasser. Doch seine ausgedörrte Stimme klang nur wie das Piepsen eines kleinen Vogels und niemand hörte ihn. Da bemerkte der König den Krug mit Wasser. Schnell griff er zu und trank ihn mit einem Zug aus. Das Wasser war angenehm kühl, und endlich konnte er seinen Durst stillen. Dann stellte er den Krug wieder zurück, und nach einer Weile erwachten die asketisch reichen Weisen. Sofort wurde entdeckt, daß der Krug leer war, und alle fragten sich, wer das wohl getan haben konnte. Der aufrechte Yuvanasva jedoch gab sogleich alles zu.

    Und der verehrte Sohn des Bhrigu sprach zu ihm:
    Das war nicht gut. Das Wasser hatte eine verborgene Kraft in sich und wurde hier abgestellt, damit du einen Sohn bekommst. Nach strenger Enthaltsamkeit übergab ich die Früchte meiner religiösen Taten diesem Wasser, damit dir ein Sohn geboren werde. Oh heiliger König mit dem großen Heldenmut und der körperlichen Kraft, dieser Sohn wird außerordentliche Kraft und Tapferkeit besitzen und durch Buße noch gestärkt sogar Indra in das Reich des Todesgottes senden können. Auf diese Weise habe ich das Wasser vorbereitet, oh König.

    Doch nun hast du es getrunken, und nicht deine Gattin. Das war nicht recht. Und es ist für uns unmöglich, das Geschehene abzuändern. Es war wohl vom Schicksal so gewollt! Doch weil du, oh König, dürstend das Wasser getrunken hast, was voller heiliger Hymnen und religiöser Arbeit war, mußt du diesen Sohn selbst zur Welt bringen. Dafür werden wir für dich ein Opfer mit wundervoller Wirkung durchführen, damit du Tapferer einen Sohn gebären kannst, der dem Indra gleicht. So wirst du auch keine Schmerzen bei der Geburt verspüren.

    Und als hundert Jahre vergangen waren, durchbrach ein sonnengleich strahlender und wahrlich starker Sohn die linke Seite des mächtigen Königs. Yuvanasva starb nicht dabei, und das war ein außergewöhnliches Wunder.
    Indra kam kurz darauf zu Besuch und erkundigte sich beim Monarchen: Woran wird der Junge saugen?
    Und Indra steckte dem Baby seinen Zeigefinger in den Mund und sprach: Er wird an mir saugen.

    Da tauften die Bewohner des Himmels den Jungen Mandhata (lit. mich wird er saugen). Sogleich nachdem der Junge am Finger Indras getrunken hatte, wuchs er dreizehn Ellen und wurde immens stark. Der meisterhafte Junge erhielt alles heilige Wissen und die Kunst der Waffen ohne jegliche Hilfe, allein durch die reine Kraft seiner Gedanken. Am selben Tag kamen der Bogen Ajagava und eine Anzahl Pfeile aus Horn zu ihm, zusammen mit einer undurchdringlichen Rüstung. Indra selbst setzte ihn auf den Thron, und er besiegte die drei Welten auf rechtschaffene Art und Weise. Das Wagenrad dieses Königs beirrte nichts auf seinem Kurs.

    Die schönsten Juwelen kamen von selbst zu diesem heiligen König. Und auf diesem reichen Stück Land hier lebte er einst. Er führte eine Vielzahl an Opferriten durch mit kostbaren Gaben an die Priester. Mit gewaltiger Kraft und unermeßlichem Glanz errichtete er heilige Säulen. Seine frommen Taten ließen ihn sogar an Indras Seite sitzen. Durch seine Tugend allein eroberte der kluge König Erde, Meer und alle Städte. Überall auf Erden fand man seine Opferstätten. Es gab keinen einzigen Platz, der nicht von ihm gezeichnet war.

    Es wird gesagt, daß der mächtige König zehntausend Padmas (ein Padma sind einhundert mal zehn Millionen.) Vieh an die Brahmanen verschenkte. Als es einmal eine Dürre von zwölf Jahren gab, da ließ der König es regnen, damit das Korn auf den Feldern wieder wuchs. Dabei schenkte er Indra keine Beachtung, welcher nur still zusah. Mit seinen Pfeilen verwundete und schlug Mandhata den gewaltigen Herrscher des Gandhara Landes, welcher in der Monddynastie geboren und so schrecklich wie eine tobende Gewitterwolke war.

    Er beschütze die vier Kasten der Menschen, und die Welten bewahrte er kraft seines enthaltsamen und wahrhaften Lebens vor Schaden. Hier an dieser Stelle opferte der Glanzvolle den Göttern. Und schau hier, inmitten des Kuru Landes ist die heiligste Stelle. Nun habe ich dir alles von Mandhatas großem Leben und seiner ungewöhnlichen Geburt erzählt, oh König.

    Vaisampayana fuhr fort: Oh Nachkomme der Bharatas! Nach diesen Worten des großen Heiligen Lomasa hatte Yudhishthira schon neue Fragen an den Weisen bereit.
     
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