Die christlichen Mystiker sprechen davon, dass die Gnade Gottes nicht willentlich erwirkt werden kann. Gleichzeitig ist der Wille und Wunsch danach eine notwendige Voraussetzung, sie geschenkt zu erhalten.Thomas Voegeli schrieb:mir leuchtet heute viel mehr ein, wenn jemand von sich erzählt, dass das licht, dass die klarheit, dass die wunder, dass alles Neue und Erstaunliche zu ihm HERUNTER komme.
Das macht Sinn.
Ich habe mir kürzlich übrigens deine Homepage angeschaut, Thomas. Kann einer sagen, es sei Gnade, die er empfangen habe? Oder kann er sagen, es sei sein eigener Wille gewesen? Spielt es eine Rolle, was wir tun oder nicht? Die Antwort lautet offensichtlich gleichzeitig ja und nein.
Leiden hat für sich genommen keinen Sinn. Es ist gleichzeitig zynisch, dem Leiden ein Ziel zu unterstellen, da ein derartiger Akt den Sachverhalt immer verharmlost. Und nicht nur das! Das Um-Zu-Gedenke ist so weit verbreitet in unserer Kultur und ein derartig tiefreichender Bestandteil derselben, dass es jedem vernünftig denkenden Mensch Angst und Bange werden muss. Man muss sich vor Augen halten, auf welcher Basis das Um-Zu funktioniert. Um-Zu IST de facto die Trennung von Gott. Dieser manifestiert sich nicht in der Welt, um irgendwelche Ziele zu verfolgen (und wenn, dann übersteigen diese unseren Verstand gewaltig). Um-Zu tötet. Um-Zu ist der Mensch, der die Welt sich Untertan machen will.
Die Leidensreligion kann nicht überwunden werden, denn es gilt keinen Erfolg zu erzielen. Nein, es geht um etwas ganz anderes: Die Leidensreligion stillschweigend in gegenseitigem Einverständnis zu verabschieden und zur Herzensreligion zurückzukehren.