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Zum esoterischen Verständnis der Bibel

Eintrag von Solis im Blog Solis's blog. Ansichten: 94

Zum esoterischen Verständnis der Bibel




Schlaget die Bibel zu

Die Überschrift stammt von mir, denn oft, wenn ich anthroposophische Autoren lese, kommt es mir zunächst so vor, als ob sie dieser Meinung wären. Doch das will nur sagen, die Bibel nicht unvorbereitet lesen zu sollen, sondern eine ihr angemessene Einführung zu finden; ohne diese ist es Unsinn, sie lesen und verstehen zu wollen und sie besser bis dahin sozusagen zugeschlagen zu lassen.

Was Rudolf Steiner über das Johannes-Evangelium sagt, trifft nicht nur auf es zu. Gewissermaßen fordert er hier auf, die Bibel zuzuschlagen und von ihr unabhängig die in ihr verborgegenen Wahrheiten in der Tiefe der eigenen Seele selbst zu erforschen:

„Unsere Vorträge über das Johannes-Evangelium werden ein doppeltes Ziel haben. Das eine wird sein, die geisteswissenschaftlichen Begriffe als solche zu vertiefen nach mancherlei Richtungen hin zu erweitern; und das andere Ziel ist gerade dies: durch diejenigen Vorstellungen, die uns dabei vor die Seele treten werden, die große Urkunde des Johannes-Evangeliums selbst uns nahezubringen. Das bitte ich festzuhalten, daß die Vorträge nach diesen beiden Richtungen hin gemeint sind. Es soll sich nicht etwa bloß handeln um Auseinandersetzungen über das Johannes-Evangelium, sondern an der Hand desselben wollen wir in tiefe Geheimnisse des Daseins eindringen, und wir wollen durchaus festhalten, wie eigentlich die geisteswissenschaftliche Betrachtungsweise beschaffen sein muß, wenn sie anknüpft an irgendeine der großen historischen Urkunden, die uns durch die verschiedenen Religionen der Welt überliefert worden sind. Man könnte nämlich glauben, wenn der Vertreter der Geisteswissenschaft über das Johannesevangelium spricht, er wolle das in dem Sinne tun, wie es sonst auch vielfach geschieht: einfach eine solche Urkunde zugrunde legen, um aus ihr diejenigen Wahrheiten, um die es sich handelt, zu schöpfen und diese Wahrheiten auf die Autorität der religiösen Urkunden hin vorzubringen."
aus: Rudolf Steiner, Johannes-Evangelium, Vortrag Hamburg, 18. Mai 1908

Hinweis: Rudolf Steiner war Begründer der Anthroposophie und der Waldorfschulen




Bibel aus geistiger Schau gewirkt

„Die biblischen Urkunden stammen nicht aus äußeren Erinnerungen und Überlieferungen, sondern aus der Rückschau erleuchteter Geister. Diese Rückschau bietet sich aber nicht sogleich der physisch-historische Tatbestand dar. Nicht was äußerlich sich abgespielt hat, sondern die begleitenden seelisch-geistigen Vorgänge werden in imaginativen Bildern wahrgenommen und so wiedergegeben, als handele es sich um äußere Geschehnisse. Das Interesse an der Außenseite des Geschehens lag in den Zeiten, in denen die biblischen Schriften entstanden, nicht so ausschließlich nahe wie in unserer Gegenwart. Nun gibt es seelisch-geistige Vorgänge, die mit dem sie verleiblichenden äußeren Geschehen bildgleich sind; es gibt aber auch solche, die gar nicht von entsprechenden physischen Geschehnissen begleitet gewesen sind. Die Unterscheidung und die damit verbundene Übersetzung in die heutige historische Vorstellbarkeit bleibt Schritt für Schritt die Aufgabe dessen, der sich um das Verständnis des Alten oder Neuen Testaments bemüht. Jedenfalls führt die naive Auffassung, die einfach in allen Bildern und Erzählungen äußere Vorgänge annimmt, in lauter Irrtümer und Sackgassen hinein.“aus: Emil Bock, Moses und sein Zeitalter, S. 24

Hinweis: Emil Bock war ein Anthroposoph und begründete die anthroposophisch ausgerichtete Christengemeinschaft.



Der Verlauf der Zeit

Jeder kann an sich selbst feststellen: Wenn man sich langweilt, scheint die Zeit langsamer zu verlaufen als wenn man an etwas Spass hat oder sich auf etwas konzentriert. Das zeigt, dass der Verlauf der Zeit vom Bewusstsein abhängt.
Der biblische Schöpfungsbericht zeigt zeitlich auch ein Seltsames, wenn er von sieben Tagen spricht, aber die Sonne erst am vierten entstehen lässt, denn unsere Tage richten sich zeitlich ja nach ihrem Verlauf am Himmel. Wie also kann man schon von Tagen sprechen, als die Sonne noch gar nicht da war?
Werdender gefällt das.
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