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Zum esoterischen Verständnis der Bibel

Eintrag von Solis im Blog Solis's blog. Ansichten: 408

Zum esoterischen Verständnis der Bibel




Schlaget die Bibel zu

Die Überschrift stammt von mir, denn oft, wenn ich anthroposophische Autoren lese, kommt es mir zunächst so vor, als ob sie dieser Meinung wären. Doch das will nur sagen, die Bibel nicht unvorbereitet lesen zu sollen, sondern eine ihr angemessene Einführung zu finden; ohne diese ist es Unsinn, sie lesen und verstehen zu wollen und sie besser bis dahin sozusagen zugeschlagen zu lassen.

Was Rudolf Steiner über das Johannes-Evangelium sagt, trifft nicht nur auf es zu. Gewissermaßen fordert er hier auf, die Bibel zuzuschlagen und von ihr unabhängig die in ihr verborgegenen Wahrheiten in der Tiefe der eigenen Seele selbst zu erforschen:

„Unsere Vorträge über das Johannes-Evangelium werden ein doppeltes Ziel haben. Das eine wird sein, die geisteswissenschaftlichen Begriffe als solche zu vertiefen nach mancherlei Richtungen hin zu erweitern; und das andere Ziel ist gerade dies: durch diejenigen Vorstellungen, die uns dabei vor die Seele treten werden, die große Urkunde des Johannes-Evangeliums selbst uns nahezubringen. Das bitte ich festzuhalten, daß die Vorträge nach diesen beiden Richtungen hin gemeint sind. Es soll sich nicht etwa bloß handeln um Auseinandersetzungen über das Johannes-Evangelium, sondern an der Hand desselben wollen wir in tiefe Geheimnisse des Daseins eindringen, und wir wollen durchaus festhalten, wie eigentlich die geisteswissenschaftliche Betrachtungsweise beschaffen sein muß, wenn sie anknüpft an irgendeine der großen historischen Urkunden, die uns durch die verschiedenen Religionen der Welt überliefert worden sind. Man könnte nämlich glauben, wenn der Vertreter der Geisteswissenschaft über das Johannesevangelium spricht, er wolle das in dem Sinne tun, wie es sonst auch vielfach geschieht: einfach eine solche Urkunde zugrunde legen, um aus ihr diejenigen Wahrheiten, um die es sich handelt, zu schöpfen und diese Wahrheiten auf die Autorität der religiösen Urkunden hin vorzubringen."
aus: Rudolf Steiner, Johannes-Evangelium, Vortrag Hamburg, 18. Mai 1908

Hinweis: Rudolf Steiner war Begründer der Anthroposophie und der Waldorfschulen. Ich kenne bisher nichts und keinen, das oder der mir meine Fragen über unser Dasein und die Welt besser erklären könnte.

Der Zeitgenosse kann mit historischem Blick kein tiefes Verständnis für die in der Bibel verwendeten Sprache finden, weshalb sie für den Zeitgenossen so übersetzt werden muss, dass er die Möglichkeit hat, sie verstehen zu können. Deshalb gibt es immer wieder Menschheitslehrer - indisch ausgedrückt Bodhisattwas -, das sind Menschheitslehrer, wie ich Rudolf Steiner einen für unsere Kultur halte.
Nach dem Titel des Bodhisattwa kommt der des Buddha und schließlich Jesus, der mit dem Christus, der sich in ihm verkörpert hatte, über Buddha hinausging, was aus bestimmten und noch zu klärenden Gründen geschehen ist.




Bibel aus geistiger Schau gewirkt

Es muss die gewöhnliche, materialistisch verstandene Historie bzw. Geschichtsschreibung von der esoterischen Betrachtung unterschieden werden. Die Historie hat, im üblichen Verständnis, hat mit Esoterik nichts zu tun. Esoterik ist eine Schau ins Übersinnliche und ist dem übergeordnet, was irdisch-materiell abläuft.

Arroganz macht blind
Nicht wenige spielen sich mit ihrer Ansicht groß auf, etwa wie diese: Gott hat alles geschaffen und hat darum auch wesentlich mehr Überblick über die Probleme, die wir in der Welt haben, sogar über viele Dinge, die für uns völlig unvorstellbar sind. Wir sollten uns daher darum bemühen, seinen Rat zu suchen und ernsthaft darüber nachzudenken.
Diese Ausdrucksweise tut geradewegs so, als ob es unter allen anderen Menschen ausgerechnet dieser Behauptende wäre, der der Erleuchtete wäre, indem es ihm der liebe Gott selbst gesagt hätte. Und jener tut damit so, als ob er jetzt der große Verkünder des göttlichen Worts für den Rest der übrig gebliebenen und für das göttliche Wort taube Menschheit wäre, deren Dummheit auf dessen Moralisierungen in der Autorität als göttlicher Prophet nun angewiesen zu sein hätte. Solche Arroganz spielt sich nur auf, brüstet sich und macht sich dadurch blind für den esoterischen Blick, der vielmehr ein Gegenteil erfordert, um eine geistige Schau wirklich erleuchteter Geister erkennen zu können:

„Die biblischen Urkunden stammen nicht aus äußeren Erinnerungen und Überlieferungen, sondern aus der Rückschau erleuchteter Geister. Diese Rückschau bietet sich aber nicht sogleich der physisch-historische Tatbestand dar. Nicht was äußerlich sich abgespielt hat, sondern die begleitenden seelisch-geistigen Vorgänge werden in imaginativen Bildern wahrgenommen und so wiedergegeben, als handele es sich um äußere Geschehnisse. Das Interesse an der Außenseite des Geschehens lag in den Zeiten, in denen die biblischen Schriften entstanden, nicht so ausschließlich nahe wie in unserer Gegenwart. Nun gibt es seelisch-geistige Vorgänge, die mit dem sie verleiblichenden äußeren Geschehen bildgleich sind; es gibt aber auch solche, die gar nicht von entsprechenden physischen Geschehnissen begleitet gewesen sind. Die Unterscheidung und die damit verbundene Übersetzung in die heutige historische Vorstellbarkeit bleibt Schritt für Schritt die Aufgabe dessen, der sich um das Verständnis des Alten oder Neuen Testaments bemüht. Jedenfalls führt die naive Auffassung, die einfach in allen Bildern und Erzählungen äußere Vorgänge annimmt, in lauter Irrtümer und Sackgassen hinein.“ aus: Emil Bock, Moses und sein Zeitalter, S. 24
Hinweis: Emil Bock war Anthroposoph und begründete die anthroposophisch ausgerichtete Christengemeinschaft.

Physische Darstellungen?
Am Beispiel der Heilungen eines Blinden und eines Lahmen stellt sich für den die Frage, ob nur körperlich geheilt wurde, wie etwa ein heutiger Arzt vorgeht, oder ob nicht, der zu ahnen beginnt, dass es sich um die Beschreibung geistiger und nicht irdisch-äußerer Vorgänge handelt; ebenso ist es beim Gehen des Jesus über das Wasser des Sees und vielen anderen Stellen. Bleibt man beim Physischen, entstehen lauter Widersprüche, die erst bemerkt werden können, wenn die Voraussetzungen, sie erkennen zu können, gegeben sind. So muss man z.B. bei der physischen Vorstellung beim Gehen übers Wasser sich Zusatzvorstellungen machen, damit es physisch erst möglich wird, doch biblisch wird darüber nichts erklärt. Andererseits werden die Darstellungen gerne als Wunder betrachtet, um so die sich vorgestellte, besondere "Gottesnähe" des Jesus herausstellen zu wollen. Bleibt man im Äußeren, lässt sich in den Darstellungen kein höherer Sinn finden, ja man ahnt eben keinen und meint, im Irdischen läge der Sinn. Und zusammen mit dem machtvollen Psycho-Einfluss der Kirche, die ebenso irdisch interpretiert, meint man, nach Vorbild jener wundergläubigen Jesus-Vorstellung selber umso mehr Gottesnähe durch eine albern anmutende Sentimentalität zu erringen.
Für den Sucher aber stellt sich die Frage z.B. nach der Heilung des Blinden so: Hat er körperlich blinde Augen des Blinden körperlich geheilt oder hat er geistig blinde Augen geistig geheilt? - Schon allein bei dieser kurzen Frage können jene, die meinen, christlich zu denken, nicht angemessen ehrlich antworten, indem immer wieder auffällt, wie sehr sie den Aspekt des Geistigen zu Gunsten des Irdischen verleugnen.

Konkurrenzdenken
Üblich ist es, Religionen einander in Konkurrenz treten zu lassen, weil zu voreilig ein Urteil über sie gebildet worden ist, ohne also zuvor genügend nach deren Grund gefragt und dem nachgeforscht zu haben.
Anthroposophie hingegen erklärt den Grund und die Bedeutung der einzelnen Religionen und stellt ihr Verhältnis zueinander dar, wozu es zum Verständnis wichtig und notwendig ist, Karma und Reinkarnation einzufügen. Konkurrenzdenken entsteht, wenn es nicht eingefügt wird, man gerät ohne dies in eine Art Torschusspanik, alles in einem irdischen Leben geschafft haben zu müssen, wozu vom "Christ" gemeint wird, die dazu richtige Religion zu haben.

Aufhebung des Konkurrenzdenkens
Würden Religionen aufeinander aufbauen, wäre eine unter der anderen usw., irdisches Konkurrenzdenken entstünde, statt esoterisch zu denken, wie es Rudolf Steiner mit dem Aufstieg vom Fuße eines Berges aus verschiedenen Standpunkten zum Gipfel hin sinnbildlich erklärend tut, dem ich den Titel "Verschiedene Wege, eine Wahrheit" gebe, nachdem er einiges über Erkenntnispfade erklärt hat:

Verschiedene Wege, eine Wahrheit
"Zunächst wollen wir uns klarmachen, daß es nicht nur eine Art von Erkenntnispfad gibt, sondern es kommen drei Arten in Betracht. Das ist jedoch nicht so aufzufassen, als ob es drei Wahrheiten gäbe. Die Wahrheit ist eine einzige, so wie sich allen, die auf dem Gipfel eines Berges stehen, die gleiche Aussicht eröffnet. Aber es gibt verschiedene Wege, um auf den Gipfel des Berges zu gelangen. Während des Aufstiegs hat von jedem Punkt aus einen anderen Ausblick. Erst wenn man oben ist - und man kann den Gipfel von verschiedenen Seiten aus ersteigen -, hat man den freien vollen Ausblick nach der eigenen Perspektive. So ist es auch mit den drei Erkenntnispfaden." aus: Rudolf Steiner, Wege der Übung, S.10

Das Verbindende zwischen den Religionen, so könnte man sagen, ist, dass alle einen Weg von verschiedenen Seiten des Bergfußes nach oben zum Gipfel finden und gehen wollen.
Doch warum ist vor rund 2000 Jahren eine neue Zeitrechnung mit dem Tode des Christus am Kreuz entstanden? Ist das etwa nur ein neuer Weg am Fuße des Berges, der aus dieser Sicht mit den anderen Religionen gleichberechtigt ist? Was ist die Besonderheit daran?


Nächstenliebe
Menschen, die meinen, christlich zu sein, wissen gar nicht, welche Aufgabe Jesus von Nazareth hatte und wie sie sich unterschied von der des Christus'. Und sie unterscheiden auch Begriffe wie "Vater", "Gott" und "Heiliger Geist" nicht oder fantasieren irgendwelche Unterscheidungen zusammen. Dazu gehört auch die Nächstenliebe, die als ziemlich einziger Aspekt irgendwie begriffen, aufgegriffen und sich deshalb daran geklammert wird. Man bildet sich die Vorstellung, es ginge nur um eine möglichst sentimentale Haltung, mit der die Nächstenliebe verknüpft wird, als ob das die Botschaft des Christlichen wäre, die als eine neue in die Welt gekommen wäre.

Auferstehung
Durch den Schreck, die Erkenntnis zu haben, den körperlichen Tod eines Tages erfahren zu müssen, wird sich an die so genannte Auferstehung geklammert, der die Vorstellung eines Äußeren gegeben wird, indem sich die Meinung gebildet wird, wieder mit einem fleischlichen Leib aus dem Tode aufzuerstehen.

Der Verlauf der Zeit
Jeder kann an sich selbst feststellen: Wenn man sich langweilt, scheint die Zeit langsamer zu verlaufen, hat man an etwas Spass hat oder sich auf etwas konzentriert. Das zeigt, dass der Verlauf der Zeit vom Bewusstsein abhängt.
Der biblische Schöpfungsbericht zeigt zeitlich auch ein Seltsames, wenn er von sieben Tagen spricht, aber die Sonne erst am vierten entstehen lässt, denn unsere Tage richten sich zeitlich ja nach ihrem Lauf um die Erde am Himmel. Wie also kann man schon von Tagen sprechen, als die Sonne noch gar nicht da war? So weist dies darauf hin, das mit den biblischen Tagen etwas anderes gemeint sein muss.



Die Aufgabe des Jesus von Nazareth

Wozu ist er eigentlich auf die Welt gekommen und wozu ein "Christus" und dann auch noch ein "Jesus Christus"? Bisher scheint er ein riesenhafter Versager zu sein, wenn er wegen der Sünde gestorben sein soll, denn sie wird ja nach wie vor begangen! - Oder liegt es vielleicht nur an uns, seine Mission nicht wirklich verstanden zu haben und kreieren uns einen Jesus nach unseren weltlichen Vorstellungen, Sympathien und Antipathien und dergleichen und interpretieren dann die Bibel entsprechend verfälscht?
Oft stellen sich manche die Frage, ob Jesus nicht doch noch einmal kommen sollte, weil man sich eben der Meinung hingibt, er habe seine Aufgabe nicht richtig erfüllt oder weil die Menschen trotz seinem Erscheinen vor 2000 Jahren weiterhin der Nächstenliebe nicht nachgehen und immer noch so böse sind ... Doch solche Gedanken entstehen, weil nicht genügend nachgeforscht worden ist, was Jesus von Nazareths eigentliche Aufgabe war.
Und durch Kreuzestod eine vorzeitige Vergebung persönlicher Sünden noch bevor sie gemacht worden sind will auch nicht recht sinnvoll klingen, denn dann wäre man für seine schlechten Taten und Gedanken ja nicht mehr verantwortlich und man hätte Narrenfreiheit!
Werden solche berechtigten Fragen gestellt, aber nicht angemessen beantwortet bzw. gelöst, kann es zum Hohn kommen und man entscheidet sich, Atheist zu werden. Oder andere wenden sich aus ihrem ungestillten Bedürfnis nach Religiosität anderen Religionen zu, ohne aber wie der Atheist und der "Christ" wirklich verstanden zu haben, wozu Christlichkeit und was das ist. Der "Christ" meint, unter Christlichkeit lieb und nett untereinander sein zu sollen und verwendet dazu "Christus", doch das lässt sich auch anderswo, so unter Atheisten, finden. Deshalb sind lieb und nett keine Attribute, die das Christliche ausmachen, sondern, sagen wir, die vielmehr ein Menschliches ausmachen. Die Besonderheit des Christlichen gegenüber anderen Religionen ist damit also nicht herausgearbeitet worden. Der "Christ" kann seine Schwäche nicht zugeben und gibt sich damit einer Selbsttäuschung hin.
Erst wenn ein Mensch das Übersinnliche zu erahnen und es zu erforschen beginnt, beginnt er damit auch, die biblischen Texte nicht mehr profan, sondern esoterisch zu begreifen.

Das Rätsel über ihn, lässt manchen seine Abstammung in fantastische Zeiten setzen und entwirft vielleicht die Ansicht, er wäre ein Atlanter gewesen. Aber ob es so ist oder ob nicht, ist Anbetracht seiner bedeutsamen Aufgabe jedenfalls nicht eine entscheidende Frage, denn sie ist lediglich eine historische. Bedeutsam aber ist, dass er geistig die Voraussetzungen dafür gehabt haben musste, den Christus in sich aufnehmen zu können. Ein Verständnis dazu ist, durch Reinkarnation sich von Erdenleben zu Erdenleben immer höher zu entwickeln, so „dass man sich zu der Ahnung durchringt: eine Menschenindividualität könne in wiederholten Erdenleben sich zu immer höheren und höheren Stufen der Vollkommenheit entwickelt haben. Wer solches ahnen konnte, vermochte auch eine Empfindung dafür zu haben, dass in Jesus eine Individualität von hoher Geistigkeit erschienen sei. Je höher die Geistigkeit, desto größer die Möglichkeit, bedeutsames zu vollbringen. Und so konnte die Jesus-Individualität fähig werden, jene Tat zu vollbringen, welche die Evangelien in dem Vorgang der Johannes-Taufe so geheimnisvoll andeuten, und durch die Art, wie sie darauf hinweisen, doch so klar als etwas Wichtigstes bezeichnen. – Die Persönlichkeit des Jesus wurde fähig, in die eigene Seele aufzunehmen Christus, den Logos, so dass dieser in ihr Fleisch wurde. Seit dieser Aufnahme ist das ‚Ich’ des Jesus von Nazareth der Christus, und die äußere Persönlichkeit ist der Träger des Logos.“ aus: Rudolf Steiner, Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums, S. 136f

Rudolf Steiner erklärt, dass vor der Fleischwerdung des Christus durch Jesus in den Sonnen-Mysterien und -Tempeln überall auf der Welt die Seele zur Erfassung des Christus-Geheimnisses künstlich vorbereitet worden sei und um damit auf entsprechender Stufe in die höhere geistige Welt aufzugehen, welche mit der Fleischwerdung nicht mehr notwendig sei. Dies soll einst Konservative auf den Plan gerufen, die von der Einweihung durch die Mysterien nicht ablassen konnten und sollen begonnen haben, den Christus Jesus zu verfolgen.


Typische Meinung des Materialisten über den Tod:
Unser Geist stirbt genauso wie unser Körper mit den Eintritt des Todes, der denkt dann nicht alleine weiter. Das was von uns bleibt, ist das, was wir in unserem Leben auch umgesetzt haben. Das was wir nur gedacht haben, haben wir halt nur gedacht und nicht mehr. Vielleicht haben wir es jemanden erzählt, weitergegeben und derjenigen hat es umgesetzt. Dann haben wir auch etwas bewirkt ....

Antwort des Esoterikers:
Selbst der eingefleischteste Materialist redet von "Geist", doch meint derselbe Begriff auf religiöser Ebene dasselbe? Davon soll hier nicht ausgegangen werden, sondern von einem esoterischen, um so Religion verstehen zu können.
Was der Materialist meinst, ist jedenfalls konsequent gedacht. Die Herausforderung aber besteht darin, den Materialismus zu durchdringen, indem erahnt wird oder werden kann, indem also jedem die Möglichkeit offen steht, sich fühlend wie vor einer Undurchdringlichkeit zu sehen, die sich wie eine Mauer verhält, hinter der etwas ist, hinter der ein Geistiges ist, wie immer es auch beschaffen sein mag. - Womit oder wodurch? Vielleicht eben mit der Möglichkeit, dass wir nach einem höheren Sinn hinter der Mauer fragen und suchen können:

Der Materialist meint hoffend:
Ein erleuchteter Mediziner könne eines Tages den Menschen so heilen, dass er in seinem Körper länger oder gar für immer am Leben bleibt.

Antwort des Esoterikers:
Der Materialist wirft die Begriffe durcheinander und verwendet esoterische Fachbegriffe, ohne ihre Bedeutung zu verstehen und gibt ihnen bedenkenlos eine materialistische; so kommt es zum "erleuchteten Mediziner", um ihm einen besonderen Wert, eine besondere Auszeichnung zu geben in der Hoffnung, eines Tages könnte die materialistische Medizin quasi erleuchtet sein und ein im Körperlichen ewigliches Leben schaffen, was an Frankenstein erinnert.
Doch auch ein Jesus von Nazareth erlebte ja als "Erleuchtung" die "Verklärung", wie sie biblisch genannt wird (wobei ich beides gleichsetze), und starb dennoch.
Mit "Mediziner" wird vom Materialismus also ein Arzt gemeint, wie wir ihn z.B. als Kassenarzt kennen. Dieser aber bezieht sich auf den materiellen Körper und ein Psychologe auf die Seele, womit das Gefühlsleben gemeint ist, welches einen Einfluss auf das Körperliche haben kann.
Neben dem Begriff der Weisheit gibt es den der Klugheit. Meine Beschäftigung in der traditionellen literarischen Verwendung beider Wörter weist darauf hin, dass Klugheit sich eher auf das Weltliche und sich somit auf das Körperliche, während Weisheit weg vom Weltlichen sich auf das Geistige, Himmlische bzw. Göttliche bezieht.

Ein Vorhandensein einer fiktiven oder den Sinnen nicht erschließbare Mauer schließt ja nicht aus, hier etwas zu lernen und Sinnvolles zu tun. Nur ist es dann begrenzt, mit dem Tod hört es auf und die Wirkung des Getanen kann zwar noch für eine Zeit anhalten, löst sich aber nach und nach auf und sei die Wirkung noch so großartig, sie verdünnt sich, löst sich mit der Zeit auf. Sinn gibt mir das nicht oder sagen wir, es gibt mir nicht genügend Sinn, weil es zeitlich begrenzt ist, sich auflöst und damit letztlich tot ist. - Religion spricht aber von der Überwindung des Todes, wie das auch aussehen mag.

Wie man es auch sehen will, so ist der Blick des Materialismus begrenzt und sieht nicht weiter. Es kann in diesem Sinne auch ein Eingriff in das Klima oder gar eine total zerstörerische, riesige Bombe derart verheerende Wirkungen haben, dass man irgendwann nicht mehr davon berechtigt sprechen kann, dass die Wirkungen eines Verstorbenen nicht mehr sind. Aber ganz gleich davon, man selbst hat nichts davon. Alles selbst Gewirkte, bleibt für sich selbst wirkungslos, wenn nämlich gemeint wird, mit dem Tod nicht nur der Körper, sondern auch Seele und Geist nicht mehr sind und damit auch das Selbst nicht mehr ist.
Aber auch für den materiellen Körper, der sich mit dem Tod zwar in seine mineralischen Bestandteile auflöst, gilt - zunächst wenigstens - eine Art des Weiterbestehens, denn sie gehen ja in die mineralische Welt der Erde ein. Aber was nicht mehr da ist, ist das, was ihm die (derzeit) menschliche Gestalt gegeben und erhalten und was ihm das Leben gegeben hat.

Die fiktive oder den Sinnen nicht ersichtliche "Mauer" kann erahnt werden, beginnt mit der Ahnung ihres seelischen Vorhandenseins, welche durch die Erkenntnis jener zeitlichen Begrenzung des Selbst beginnen kann.


Materialist:
Es gibt Menschen, die nicht an ihn als Sohn Gottes glauben. Auch sie finden Erleuchtung.
weitergegeben und derjenigen hat es umgesetzt. Dann haben wir auch etwas bewirkt ....

Antwort des Esoterikers:
Es ist ein Spiel mit der Austauschbarkeit der Bedeutung der Begriffe, da kann dann darunter der eine dies und der andere das meinen. Auf diese Weise ist ein Weiterkommen weder für sich noch gemeinsam möglich und doch hat dann innerhalb der Austauschbarkeit irgendwie jeder für sich Recht.
Bewirken tun sicher auch andere in zeitlicher Unbegrenztheit, so etwa auch Buddhisten. Wer so meint, versteht Religion und ihre zeitloses Verständnis nicht und lässt die eine Religion gegen die andere ausspielen.
So beispielsweise sind "Sohn" und "Erleuchtung" esoterisch zu verstehende Fachbegriffe aus der christlichen Religion, die nicht konkurrieren, sondern in bestimmter Weise erweitern, was vorher an Religion schon da war. Solches versteht auch der, der meint, ein Christ zu sein, nicht, weil die Esoterik allmählich verloren worden ist und mit materialistischem Denken ausgetauscht worden ist. Doch je mehr jemand ehrlich und wahrhaftig ist, bemerkt, damit stets an Mauern zu stoßen.

Umgang mit der Mauer, der Schwelle
Man kann entweder daran zerschellen, deshalb in eine Psychose geraten, suizidal werden, oder sie als Materialist ignorieren, wobei die materielle Welt als einzig Wahres angesehen und gemeint wird, mit dem irdischen Tod sei ein ultimatives Ende nicht nur für den Körper, sondern auch für Seele und Geist. Der andere Weg ist, sie anzuerkennen und sie zu durchbrechen.
Es wird manche Gründe haben, die Schwelle nicht anzuerkennen oder an ihr zu scheitern und in seiner Inkarnation entsprechende Verhaltensweisen annehmen. Mag der eine an der Schwelle regelrecht zerschellen und als Wirkung keinen ordnenden Halt finden und deshalb vielleicht obdachlos werden, während der andere umso mehr einer zwanghaften Ordnung in seinem Heim bedacht ist, die ihm Halt gibt statt Zerschellung. Mag aber auch ihre Anerkenntnis zwei Seiten haben, zwar droht dann nicht die Zerschellung, dafür ein Strudel ins Unbekannte, welcher gleiche fatale Folgen haben kann wie die bei der Zerschellung ... Doch beide gleich haben die Empfindung, der Verzweiflung zu entgehen.


Das gemeinschaftliche Erbgedächtnis

Was es macht, meinen wir, selbst davon nichts zu haben, nicht für unser Selbst zu tun, ist die Begrenztheit und die letztliche Fruchtlosigkeit allen Tuns und aller Gedanken und damit der fehlende Sinn eines sich individuell entwickelnden Daseins, statt an seinem Selbst zu bauen, es nach und nach auszubauen, daran zu feilen, es zu optimieren ... Es gibt dann letzten Endes keinen Sinn mehr, auf sein Handeln zu achten. Die Achtung selbst ist es dann, die letzten Endes sinnlos wird. Auch wenn man bescheiden meint, sich selbst nicht so wichtig nehmen, nicht (überheblich) ewig sein zu sollen, und der Sinn läge stattdessen vielmehr in der Wichtigkeit des anderen und für andere da zu sein, für andere etwas zu tun, fällt dann letzten Endes auch weg, denn auch für denjenigen gilt es ja, für den man irgendwie etwas getan hat, dass auch für ihn alles in die Totalität des Nichts der Fruchtlosigkeit eingeht. Verzweiflung entsteht, hat das individuelle Bewusstsein die Begrenztheit bis ins Totale eines letzten Endes erfasst oder es trotzt, der Verzweiflung zu entgehen und meint frech: Na und?
Es war innerhalb der Menschheitsentwicklung gemäß des bis dahin entwickelten Bewusstseins vielleicht einmal berechtigt, lediglich Verantwortung für das irdisch Nachkommende, für das Erbe der Nachkommenschaft, des Gemeinschaftlichen zu empfinden. So muss ein Erbgedächtnis einst umso mehr ausgeprägt gewesen sein, wie wir es uns gar nicht mehr vorstellen können. Das individuelle Selbst dagegen musste dem hinterher gehinkt sein, war noch nicht ausgebildet, hat noch seiner Entwicklung bedurft, denn erst muss das Vergangene, das Vergängliche geregelt sein, es muss erst das Gedächtnis als solches und speziell das gemeinschaftliche Erb- und Ahnengedächtnis, das Gedächtnis für die Nachkommenschaft durch Ausentwicklung genügend geregelt gewesen werden, bevor das individuell Zukunftsgerichtete eines Selbst zu entwickeln an der Reihe ist.


Karma und Weltgedächtnis

Die indische Weisheit hat den geistigen Begriff des Karma. Es erhält das Gewesene, sein Getanes, seine Gedanken und seine Wirkungen. Es ist der zeitlichen Begrenzung nicht auferlegen, es löst (zunächst) nichts auf. Es macht so weiter, wie aus dem Schlaf aufzuwachen und an den begonnenen Verrichtungen vor dem Schlaf weiterzuarbeiten.
Jesus schreibt die Tat der Ehebrecherin in die Erde, für den Materialisten ist das etwas Seltsames, ist er ehrlich, doch erst esoterisch wird sie bedeutungsvoll. Sie ist eine Einschreibung einer Tat eines Menschen in das Gedächtnis der Erde, womit auch die Bibel kennt, was Karma meint.
"Erde" reimt sich gewiss nicht zufällig auf "Erbe". Sie steht nicht als ein individuelles Gedächtnis eines Menschen mit nur einer Inkarnation zur Verfügung, das sein eigenes Erbe ist, worauf der Mensch als Erinnerung zurückgreifen kann, sondern als "Weltgedächtnis" der Menschen, die damit zur Welt, ihrer Entwicklung und zu anderen Menschen in Beziehung treten.
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